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Zweite Chance für alte Möbel

Wer auf einer Müllsammelstelle die Container mit Holzabfällen und Sperrmüll genauer unter die Lupe nimmt, staunt nicht schlecht: Oft genug werden gut erhaltene oder fast neuwertige Möbel einfach weggeworfen, weil eine Wohnung aufgelöst oder gerade ein Stilwechsel vollzogen wird.
Diese „Wegwerfmentalität“ lässt sich durch Zahlen belegen. Nach Schätzungen des Instituts für Umweltforschung (INFU) an der Universität Dortmund werden nur fünf Prozent der Gebrauchtmöbel  -darunter häufig Stilmöbel und Sammlerstücke-  weiterverwendet, der Rest landet in Müllverbrennungsanlagen. Experten zufolge ist jedoch rund sieben Prozent des ausrangierten Mobiliars noch gut erhalten.
In Deutschland wurden deshalb zu Jahresbeginn zwei viel versprechende Initiativen für die Weiterverwendung von Altmöbeln ins Leben gerufen. Ein Pilotprojekt des Bayerischen Landesamtes für Umwelt und der Universität Augsburg kommt zu dem Ergebnis, dass sich rund um die Entsorgung von Gebrauchtmöbeln vor allem für gemeinnützige Organisationen große Betätigungsfelder auftun. Als erste Konsequenz planen die karitativ-gemeinnützigen Organisationen im Augsburger Raum eine Einrichtung zur besseren Vermarktung von Gebrauchtwaren. Ein gemeinsames Qualitätssiegel soll den Kunden und Möbelspendern mehr Sicherheit geben.


Re-Use-Netzwerk

Mehr in Richtung Altmöbel-Recycling geht das Projekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die ein bundesweites „Re-Use-Netzwerk“ für die Weiterverwendung gebrauchter Möbel eingerichtet hat. Die neue Internetplattform www.ReUse-nt.de soll den Verkauf guter, aufbereiteter Gebrauchtmöbel erleichtern. Zudem planen die Initiatoren Design-Wettbewerbe unter Schülern und die Einbindung professioneller Designer, um einerseits die Jugend für das Thema zu sensibilisieren, andererseits aber auch kreative Recyclingmöbel in Kleinserien anbieten zu können.  
Quelle: UFH - Umweltforum Haushalt


Gipssäcke werden zu Einkaufstaschen

Abfall vermeiden, einen sozialen Betrieb unterstützen und zugleich für den eigenen Baustoffhandel Werbung zu machen – wie das geht, zeigte im vergangenen Herbst der Baustoffproduzent Knauf www.knauf.at aus dem österreichischen Weißenbach bei Liezen.
Im Rahmen einer CSR-Kooperation (CSR: Corporate Social Responsibility) beauftragte das Unternehmen die Wiener Firma „garbage upcycling design“
www.garbage.at mit der Herstellung cooler Werbemittel aus fehlerhaft bedruckten Gipssäcken. Bei „garbage upcycling design“ handelt es sich um einen Betrieb mit Sitz im 4. Wiener Gemeindebezirk. Die Werkstätte ist auf die Fertigung von Design-Produkten aus Abfallmaterialien spezialisiert und bereitet gleichzeitig seine Mitarbeiterinnen -beschäftigungslose Personen mit ehemaliger illegaler Suchtproblematik- auf einen Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt vor.
Die durch Fehldruck für ihren Bestimmungszweck unbrauchbaren Gipssäcke werden von der Designschmiede zu trendigen Shopping-Bags umgestaltet, die nun bei Knauf als Werbepräsente Verwendung finden. Ein Nachfolgeprojekt gibt es auch schon: Knauf-Verkaufsmitarbeiter werden mit so genannten „VisitBags“ ausgestattet, die aus ehemaligen Knauf-Fahnen gefertigt wurden.
Quelle: UFH – Umweltforum Haushalt


Schneeschieber aus alten Mülltonnen

Die innovative Idee resultiert aus der Tatsache, dass auch Mülltonnen kein allzu langes Leben beschieden ist. Allein die österreichische Linz AG sortiert jährlich 500 bis 700 Sammelbehälter mit einem Volumen von 80 bis 360 Litern aus. Jetzt werden die Mülltonnen unentgeltlich dem Verein zur Förderung von Arbeit und Beschäftigung (FAB) zur Verfügung gestellt, der die alten Behälter zu Schneeschiebern umbaut. www.recyclingschneeschieber.at
Bei der Umwandlung der alten Müllbehälter werden die Seitenwände aus den Kunststofftonnen per Hand ausgeschnitten, entgratet und mit einem Holzstiel versehen. Sogar das Restmaterial lässt sich noch sinnvoll verwenden: Aus dem recycelten Kunststoff werden Scheiben zum Fixieren von Schneezaun-Stäben produziert.
Der Verein hat sich das ausschließlich in Handarbeit gefertigte Produkt patentrechtlich schützen lassen und vertreibt es in vier Größen zum Preis von 17,-- bis 21,-- Euro. Mit dem Kauf wird der FAB unterstützt, der bis zu sechs Wiedereinsteigerinnen zu einer neuen Chance auf dem Arbeitsmarkt verhilft.
Quelle: UFH – Umweltforum Haushalt


Zweiter Lebensweg als Bakenfuß

Als das „Recyclingprodukt des Monats“ stellte die Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt e.V. im Januar 2008 auf ihrer Website www.agpu.com einen Bakenfuß vor, der aus gebrauchten PVC-Kabelummantelungen hergestellt wird.
Dieses mit zwei Tragegriffen ausgestattete PVC-Produkt besteht aus 100 Prozent Recycling-Material. Es wurde von der Bundesanstalt für Straßenwesen zur Baustellensicherung auf Landstraßen und Autobahnen freigegeben. Der Bakenfuß ist beständig gegen Frost, Salz und Öl und darüber hinaus auch noch bruchsicher. Die eingearbeitete Batteriemulde ermöglicht die Stromversorgung bei Verwendung von Warnbaken mit Warnlampe.


EnviroPallet

Unter der Bezeichnung „EnviroPallet“ hat Trius Industries aus Lino Lakes (US-Bundesstaat Minnesota) eine Transportpalette aus 100 Prozent Recycling-Karton auf den amerikanischen Markt gebracht. Hergestellt aus unbeschichteter laminierter Pappe bietet das Recycling-Produkt eine Alternative zu hitzebehandelten Holzpaletten oder den international gebräuchlichen Paletten aus Kunststoff. EnviroPallets lassen sich ohne Einschränkungen für alle Transporte einsetzen, bei denen schon heute Paletten Verwendung finden, sie sind resistent gegen Schädlinge, für den wiederholten Gebrauch geeignet und vollständig wiederverwertbar.
„Recycling-Karton ist der ideale Werkstoff für EnviroPallets“, versichert Burt Buchen, Division Manager bei Trius Industries. „Das Material verfügt über alle Eigenschaften, die für Paletten notwendig sind, ist ebenso hervorragend zum Stapeln sensibler Produkte –etwa Lebensmittel oder Medikamente– wie im internationalen Transport einsetzbar.“ Trius Industries rechnet vor allem mit dem Interesse umweltbewusster Unternehmen, lässt Buchen durchblicken.
Die 100% Recycled Paperboard Alliance (RPA-100%), eine 1995 gegründete Non-Profit-Organisation der führenden Hersteller von Recycling-Karton in den USA, hat das neue Recycling-Produkt inzwischen lizenziert und die Erlaubnis erteilt, EnviroPallets mit dem Symbol „100% Recycled Paperboard“ zu kennzeichnen. Mehr als 100 US-Unternehmen, darunter so bekannte Namen wie FedEx Corp., The Gilette Company, Hewlett Packard oder Kellog´s sind schon Partner der Organisation und haben entsprechende Lizenz-Vereinbarungen unterzeichnet, gab RPA-100% kürzlich bekannt.


„oecopyshop“

Der Copyshop in Meckenheim (Pfalz) „oecopyshop“ ist sechster Monatsgewinner in der Bekennerkampagne „Recyclingpapier – na klar“, denn dort wird seit über zehn Jahren Recyclingpapier für Kopien und Drucke verwendet. Dieses Engagement belohnt die „Initiative Pro Recyclingpapier“ mit 50 DHL Pluspäckchen, gestiftet von Deutsche Post World Net, einem Mitglied der Initiative.


Radkappen aus PA-Recyklat

In Zusammenarbeit mit dem Zulieferer Montaplast aus Morsbach/Sieg und dem Kunststoff-Distributor RESIN EXPRESS GmbH hat die Adam Opel AG den Einsatz des Ravamid® PA-Recyklats von RAVAGO als Alternative zu Neuware für die Herstellung von Radkappen spezifiziert. Das Compound verbindet hohe Leistung in einem breiten Temperaturbereich mit attraktiver Wirtschaftlichkeit. Die daraus hergestellten Spritzgussteile erfüllen strenge Anforderungen bezüglich ihrer ästhetischen und mechanischen Eigenschaften.
Ursprünglich hatte Opel ein Neuware-PA mit 30 Gewichtsprozent Mineralfüllung vorgesehen. Bei dem von RESIN EXPRESS und RAVAGO entwickelten, anwendungsspezifisch optimierten Ravamid® PA 66 Compound konnte der Füllstoffanteil auf 13 Gewichtsprozent gesenkt werden. Trotzdem erreicht das Material ein Eigenschaftsniveau, das mit der Neuware vergleichbar ist. „Dank der hohen Steifigkeit dieses Ravamid® Recyklat-Typs“, sagt dazu Gerd Orthey, der als technischer Berater bei Montaplast den Kunden Opel betreut, „liegen die Radkappen nach der Montage rundum auch zwischen den Befestigungspunkten, flach am Felgenhorn an. Die hohe Tieftemperatur-Schlagzähigkeit sorgt dafür, dass die Kappe auch bei -40 Grad C moradkappentiert werden kann, ohne dass die Federhalterungen brechen. Andererseits sitzt das Bauteil dank der hohen thermischen Beständigkeit des Materials auch dann noch sicher und fest auf der Felge, wenn diese nach längerer Betätigung der Bremse Temperaturen von 130 Grad C und mehr annimmt. Und auf Grund der geringen Schwindung beim Abkühlen resultiert eine homogene Oberfläche nahezu ganz ohne Einfallstellen.“
Auch wirtschaftlich gesehen ist das Compound von RAVAGO höchst attraktiv, denn auf Grund des vergleichsweise geringen Anteils an schwerem mineralischem Füllstoff ist die Radkappe leichter als die aus der ursprünglich spezifizierten Neuware. „Ein Sekundärrohstoff erhält von uns nur dann die Freigabe für ein Serienteil, wenn er ökologische und wirtschaftliche Vorteile gegenüber der Neuware und dabei ein gleich hohes Qualitätsniveau bietet“, unterstreicht Uwe Ruster, Projektingenieur im Bereich `Materials Engineering – Recycled Materials´ bei Opel die strengen Anforderungen des Rüsselsheimer Automobilherstellers.


Ungewöhnliches Recycling-Produkt

Schon im alten China beherrschte man die Kunst, handgeschöpftes Papier zu erzeugen und
bis zur Erfindung der Papiermaschine wurde auch in Europa das Papier nicht anders gefertigt.
Wer aber heute, im 21. Jahrhundert, zu einem solchen Produkt greift, sucht das nicht Alltägliche, das Besondere, auch wenn sich am Ausgangsmaterial -in Wasser aufgelöste textile oder pflanzliche Fasern- nichts geändert hat.
Aus Indien kommt jetzt mit Elephant Dung Paper ein handgeschöpftes Papier aus einem wahrlich ungewöhnlichen Rohstoff: Elefantendung. Dieses in Deutschland einzigartige Papier pDung Paperräsentiert sich in einem ausgesprochen edlen Design, das in keiner Weise auf seine Herkunft schließen lässt. Elefanten hinterlassen als reine Pflanzenfresser einen Dung, der zum größten Teil aus Pflanzenfasern besteht. Völlig ausgekocht lassen sich diese zu hochwertigen Papeterieprodukten verarbeiten, auf deren Herstellung sich einige dörfliche Familienbetriebe in Nordindien spezialisiert haben.
Eine von der indischen Unternehmerin Mahima Mehra gegründete und vorfinanzierte Serviceeinrichtung fördert die Produktion und die Beschaffung der Rohmaterialien, übernimmt die Produktberatung sowie die Vermarktung der Endprodukte und hilft damit einigen Familien ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Denn Arbeit auf dem Land schützt die Menschen vor der Flucht in die Städte, wo sie dann meist keine Beschäftigung finden.
Für den deutschen Markt hat die Münchner Firma FAIRKAUF Handelskontor eG den Vertrieb dieses ungewöhnlichen Recycling-Produkts übernommen.


Papier-Vergleich: Recyclingpapier bevorzugt

Nehmen Leser bei identischem Inhalt ein auf Recyclingpapier gedrucktes Magazin anders wahr als ein aus Frischfasern produziertes?
Mit dieser Frage beschäftigte sich das Bielefelder Marktforschungsinstitut TNS Emnid im Auftrag der „Initiative Pro Recyclingpapier“. Untersuchungsgegenstand der bundesweiten repräsentativen Umfrage unter 2.022 Personen war das „LTU Magazin“, Bordmagazin des gleichnamigen Lufttransport-Unternehmens, das sich als Kooperationspartner an der Studie beteiligte.
Zur Befragung erhielt eine Untersuchungsgruppe (1.017 Personen) ein Exemplar auf Recyclingpapier, die Kontrollgruppe (1.005 Personen) die inhaltlich identische Ausgabe auf dem üblicherweise für die Publikation eingesetzten Frischfaserpapier. Die verwendeten Papiere haben ein Flächengewicht von 70 Gramm/Quadratmeter sowie einen Weißegrad von 92 (Frischfaserpapier) beziehungsweise 82 Prozent (Recyclingpapier).
Die wichtigsten Ergebnisse
Die Befragten bewerteten neben Inhalt und Layout unter anderem auch Fragen rund um das Papier. Zusätzlich wurde die für Marketingexperten wichtige Frage nach dem Erinnerungsvermögen und der Wirkung der im Magazin vorhandenen Werbeanzeigen getestet.
„Unabhängig davon, ob den Befragten das Heft in der Version Recyclingpapier oder Primärfaserpapier vorgelegt wurde, beurteilt eine breite Mehrheit alle Aspekte positiv“, berichtet TNS Emnid. Zwar stellten die Marktforscher eine leicht bessere Bewertung bei dem auf Neupapier gedruckten Exemplar fest, aber die Unterschiede waren „nicht signifikant und liegen im Schulnotensystem bei ”gut’“.
Negative Bewertung sehr selten
Den Angaben zufolge wurden bei der Befragung Abbildungen, Papierqualität, farbliche Gestaltung und Haptik weitgehend positiv beurteilt, ganz gleich, auf welchem Papier das Magazin gedruckt wurde. „Leichte Unterschiede in Abhängigkeit vom Papier zeigen sich nur dahingehend, dass das auf Recyclingpapier gedruckte Exemplar etwas öfter als befriedigend eingestuft wird“, heißt es in dem Bericht. Da negative Bewertungen bei beiden Varianten sehr selten waren, ziehen die Forscher den Schluss, dass die Papierqualität auf die Zufriedenheit der Leser keinen Einfluss hat.
Das positive Leserurteil galt auch für die Bewertung. Mehr als drei Viertel der Befragten (77 Prozent) beschrieben die Publikation als „hochwertig“ oder „sehr hochwertig“. Lediglich ein Prozent stufte sie als „überhaupt nicht hochwertig“ ein.
Bei der Auswertung stellte sich auch heraus, dass die zur Finanzierung von Zeitschriften und Magazinen oftmals wichtigen Anzeigenkunden den Druck auf Recyclingpapier nicht scheuen müssen. „Die Ergebnisse belegen, dass es keine signifikanten Abweichungen im Erinnerungsvermögen oder der Beurteilung der Anzeigen gibt“, betont TNS Emnid. Auf die Frage, ob sie wissen, auf welcher Papierart die vorliegende Zeitschrift gedruckt wurde, fiel den Befragten die Entscheidung sehr schwer. Sehr viele Interviewte trauten sich kein Urteil zu: bei der Variante „Normalpapier“ jeder Vierte, bei der Version „Recyclingpapier“ jeder Fünfte. Die Bielefelder Marktforscher gehen deshalb davon aus, dass die Mehrheit zwischen den beiden Papierqualitäten keinen bewussten Unterschied erkennen kann.
35 Prozent wollen Recyclingpapier unbedingt unterstützen
Was den Einsatz von Recyclingpapier angeht, war jeder zweite Befragte der Meinung, Recyclingpapier solle aufgrund seiner Umweltvorteile beim Druck von Zeitschriften und Magazinen so oft wie möglich verwendet werden.
Nach der Umfrage sind 35 Prozent dafür, Recyclingpapier unbedingt zu unterstützen, wenn es optisch einen hohen Weißegrad erreicht. Drei von zehn Befragten haben zudem ein besseres Gefühl, wenn sie ein Magazin kaufen, dessen Papier aus Altpapier hergestellt wurde. „Nur eine kleine Minderheit ist grundsätzlich nicht von den Umweltvorteilen von Recyclingpapier überzeugt“, stellen die Meinungsforscher fest. Dieser Anteil beträgt fünf bis sieben Prozent. (SR 02/06, S. 36)


Vernünftige Alternative

Wie sich der Einsatz ganz alltäglicher, technischer Hilfsmittel im Recycling verbessern lässt, darüber hat Peter Blaha schon häufiger nachgedacht und manche Idee erfolgreich erprobt. Das Ergebnis seiner jüngsten Tüftelei kann jetzt sogar bei ihm bestellt und käuflich erworben werden: Es sind Förderband-Tragrollen aus Recycling-Kunststoff als Alternative zu herkömmlichen Stahlrollen. Eine höchst vernünftige Alternative für die Recycling-Betriebe, wie er meint, denn wer sonst sollte daran Interesse haben, dass Bedarfs- beziehungsweise Verschleißartikel aus einem wiederverwerteten Material in den Handel kommen, wenn nicht die Recycling-Unternehmen? Nach Auskunft von Blaha geht die Qualität der Förderband-Tragrollen sogar über die Ansprüche der Steine/Erden-Branche hinaus, weshalb sie sich besonders für den Einsatz im RRy-Kunststoffrollen03ecycling-Betrieb eignen. Die Tragrollenkörper bestehen aus massivem Vollkunststoff und stellen keine Hohlkörper mehr dar, die häufig dazu neigen, Kondens- oder Spritzwasser aufzunehmen. Zudem lassen sich die Rollenkörper ballig überdrehen, was beispielsweise dem Geradeauslauf der Gummigurte zugute kommt. Auch kann die Stirnfläche der Rollen so angeschrägt werden, dass kein Klemmkorn mehr eine neue, intakte Rolle blockiert.
Für alle Wiederaufbereiter, denen die Überlegung Recycling-Produkten zum Durchbruch am Markt zu verhelfen, schon aus beruflichem Interesse naheliegend erscheint, hält der Förderband-Händler aus Aschheim bei München ein weiteres Argument bereit: „Da für die Rollenkörper ausschließlich Recycling-Kunststoffe verwendet werden, sind auch die Preise moderat. Damit stellen sie durchaus eine Konkurrenz zu den herkömmlichen Stahlrollen dar.“ (SR 11/05, S. 346)


Studie zum „Plastik-Öl“

In den USA, wo Jahr für Jahr von den verwendeten 25 Millionen Tonnen Kunststoffen lediglich eine Million Tonnen wieder in den Materialkreislauf gelangen, findet offenbar ein Umdenkprozess in Richtung Recycling statt.
Forscher der Chevron Energy Technology Company und der University of Kentucky haben in Experimenten Kunststoffabfälle in Schmiermittel umgewandelt. Das berichtet die American Chemical Society (ACS) im Internet-Portal
www.innovations-report.de.
Nach dem Bericht gab es Versuche, aus recyclingfähigen Plastikabfällen Kraftstoffe herzustellen, wobei das kommerzielle Interesse an dieser Applikation in den Vereinigten Staaten anscheinend begrenzt ist. In den USA besteht der größte Anteil dieser Abfälle aus dem Kunststoff Polyethylen. Die Forscher von Chevron und der University of Kentucky nutzten diese Fraktion, um sie unter Hitze zu einem Wachs zu verarbeiten, das sich beispielsweise in hochwertige Schmieröle für Motoren umwandeln lässt.
In der Pilotstudie wurden rund 60 Prozent der verwendeten Plastikabfälle in ein Wachs mit den richtigen molekularen Eigenschaften für weitere Verarbeitungsprozesse erzeugt. Chevron verfügt den Angaben zufolge seit den 90er Jahren über eine Technik, um daraus Schmiermittel in hoher Qualität zu gewinnen. (SR 10/05, S. 309)


Diesel aus Abfall

Die Produktion von Diesel und Heizöl aus gebrauchten Kunststoffen, Ölen, Teeren sowie anderen Reststoffen könnte nicht nur die aktuelle Lage auf den Energiemärkten, sondern auch Engpässe in der Abfallentsorgung entschärfen. Entsprechende Verfahren wurden bereits entwickelt und sind dem Vernehmen nach ausgereift.
Zu den Pionieren auf diesem Gebiet zählt sich zweifellos die in Wegberg ansässige Clyvia Technology GmbH, eine Tochtergesellschaft der amerikanischen Clyvia Inc. (Carson City, Nevada). Die Firma wendet ihr patentiertes Verfahren der fraktionierten Depolymerisation an, das kürzlich hinsichtlich Sicherheit und Energieeffizienz weiter optimiert wurde. Mit seiner neuen Technologie ist es eigenen Angaben zufolge dem Unternehmen erstmals gelungen, organische und mineralische Reststoffe in Energieträger umzuwandeln.
Technik
Der Prozess des Crackens oder Depolymerisierens wird eingesetzt, um aus Altöl und Kunststoff sowie landwirtschaftlichen Rückständen hochwertige Rohwaren wie Heizöl und Dieselkraftstoff zu gewinnen, berichtet Clyvia. In dem Verfahren werden lange Kohlenwasserstoffketten bei etwa 400 Grad Celsius aufgespalten. Diese Fraktionen verdampfen, werden in einer Destillationskolonne fraktioniert und schlagen sich in einem Kondensator als Dieselöl nieder. Ein Vorteil ist die Energieeffizienz, die je nach Einsatzstoff zwischen 80 und 95 Prozent beträgt. „Ein bekanntes Problem bei der Depolymerisation ist die Entstehung von Kohlenstoff, der sich in einem Röhrenreaktor als steinharte Ablagerung festsetzen kann und den Prozess schließlich stoppt“, führt Dr. Manfred Sappok, einer der beiden Geschäftsführer der Clyvia Technology GmbH aus. „Wir verwenden daher statt der Röhre einen Reaktortopf, in dem sich ein Mischarm dreht, der Ablagerungen von der Oberfläche wieder abkratzt. Das ist vergleichbar mit dem Rühren in einem Kochtopf bei der Zubereitung von Speisen, damit diese nicht anbrennen.“Clyvia-Basismodell Grafik

Marktpotenzial
Eine weitere Verfahrensoptimierung betrifft das Einbringen von Kunststoffen, die – vorgewärmt – zu einer Einspritzdüse befördert und dort unter Druck in den Reaktor gebracht werden. Auf diese Weise erreicht Clyvia die für eine gleich bleibende Produktqualität notwendigen konstanten Prozessbedingungen.
Laut Clyvia bekommt diese Technik, für die das Unternehmen bereits drei Patente erhalten hat, angesichts des Deponierverbots für unbehandelte Abfälle eine aktuelle Bedeutung. Dementsprechend optimistisch wird das Marktpotenzial eingeschätzt: In Deutschland könnten eines Tages 500 Anlagen Abfälle in Diesel verwandeln; weltweit soll das Potenzial bei 10.000 Einrichtungen liegen. Jede Anlage soll in der Lage sein, jährlich zwischen 4.000 und 40.000 Tonnen Kunststoffe zu verarbeiten.
Als Anwender dieser Technik kommen für Clyvia öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger, aber auch Gewerbe- und Industriebetriebe in Betracht. „Gerade hier besteht Handlungsbedarf, da die Menge der Gewerbeabfälle schlechter kalkulierbar ist als die des Hausmülls“, lautet das Argument. Für den Betreiber sei eine solche Anlage in zweifacher Hinsicht interessant, da sie die Entsorgungskosten senkt und er von der gewonnenen Energie profitiert.
Pilotanlage
Im Herbst soll eine Pilotanlage, die unter realen Bedingungen arbeitet, in Betrieb gehen. Darüber hinaus wird ein Betreibermodell vermarktet. Die Finanzierung ist nach Angaben der Clyvia Technology GmbH bereits in die Wege geleitet: Das Unternehmen hat zwei Private Placements in Höhe von 629.000 Euro abgeschlossen und insgesamt 710.317 Aktien ausgegeben. (SR 10/05, S. 308)


Textilabfälle

Textilabfälle sind das Ausgangsmaterial für bis zu 13 Zentimeter dicke Seile, die, entsprechend auf Steilhängen verlegt, ein sogenanntes Geogitter bilden. Sie dienen zur Begrünung von steilen, felsigen Hängen, verhindern bei starkem Regen Erosion und ermöglichen es, selbst dort Sträucher, Hecken und Bäume anzupflanzen, wo sich bisher nur nackter Fels zeigte.
Die Geogitter sind das Ergebnis eines gemeinsamen Forschungsvorhabens des Sächsischen Textilforschungsinstituts (STFI), VTT Vliestextilien Chemnitz und der Lehr- und Forschungsgruppe Textilmaschinen an der TU. Dort wurde auch die notwendige Technologie entwickelt, um nicht nur solche ungewöhnlich dicken Geotextilseile zu erzeugen, sondern diese auch zu einer Gitterstruktur zu verbinden. Der Weltneuheit messen die Wissenschaftler in Chemnitz wegen ihrer Wirksamkeit eine hohe Bedeutung und gute Marktchancen bei. (SR 10/05, S. 297)


260 Teile mit „Vorleben“

Immer mehr Neufahrzeuge enthalten Recycling-Materialien, wenn sie auf den Markt kommen. So wählt der Automobilhersteller Ford bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge das eingesetzte Material seit über zehn Jahren gezielt auch unter Recyclingaspekten aus.
Unternehmensangaben zufolge verlangen firmeninterne Vorgaben unter anderem, dass mit jeder neuen Modellreihe die Menge von Fahrzeugkomponenten aus nicht-metallischen Alt-Materialien, sogenannten Rezyklaten, steigen muss (bezogen auf das Gewicht). Dabei handelt es sich um Produkte mit Beimischungen überwiegend aus Kunststoff oder Textilien, die bereits einen „Lebenszyklus“ durchlaufen haben, das heißt: die bereits zumindest einmal recycelt worden sind.
Für die im Fahrzeugbau verwendeten Metalle sind die Materialkreisläufe laut Ford schon lange geschlossen. Um die internen Vorgaben zu erreichen, wird systematisch analysiert, welche Komponenten im Fahrzeug für den Rezyklat-Einsatz geeignet sind. Dies beinhaltet eine detaillierte Bewertung aller technischen, logistischen und finanziellen Aspekte, berichtete der Automobilhersteller aus Anlass der internationalen Tagung „Auto Recycling in Europa“, die Ende Mai/Anfang Juni auf dem Kölner Ford-Gelände stattfand.
Beispiele für Bauteile, die nach diesen Kriterien ausgewählt und aus Kunststoff-Rezyklat hergestellt werden, sind unter anderem die Gehäuse der Heizungs- und Klimaanlagen aller europäischen Ford-Fahrzeuge, die Batterie-Halter und -Abdeckungen (Ford Fiesta, Ford Focus, Ford Mondeo), die Gehäuse der Frontscheinwerfer (Ford Fiesta), die Zahnriemenabdeckungen (Ford Fiesta, Ford Focus) sowie die Radhaus-Auskleidungen (Ford Focus und Ford Fiesta).
Textilien-Rezyklat kommt unter anderem in Teppichen (Fahrgastzelle und Kofferraum aller Modelle) sowie für die Stirnwand-Isolierung (alle Modelle) zum Einsatz. Für die Lüfterzarge und das Lüfterrad des Ford Mondeo und des Ford Focus wird Material aus Transportbändern und Faserresten beigemischt.
Inzwischen enthält jede Modellreihe, die Ford in Europa produziert, je nach Fahrzeuggröße rund 20 bis über 50 Bauteile aus Rezyklat. Insgesamt verbaut Ford in seinen europäischen Modellreihen gegenwärtig über 260 unterschiedliche Teile/Produkte, in denen über 18.000 Tonnen an nicht-metallischem Rezyklat enthalten sind.

Sicherheits-Richtlinien
Strenge, Ford-interne „Design-for-Recycling“-Richtlinien und Bauteile- Qualitätsspezifikationen stellen darüber hinaus sicher, dass die Bauteile mit „Vorleben“ weder die Sicherheit noch die Qualität der Fahrzeuge beeinträchtigen. Die Ford Motor Company hat diese Richtlinien bereits 1993 verbindlich eingeführt. Sie gelten auch für die Ford-Zulieferer. Seitdem sind die Aspekte Recycling und Rezyklat feste Bestandteile der Ford-Fahrzeugentwicklung. Die Richtlinien sind in den Produktentwicklungsprozess integriert und beinhalten unter anderem Vorgaben zur Sicherheit und Qualität der recyclingfähigen wie auch der rezyklierten Bauteile, aber auch zu ihrer Demontagefreundlichkeit – denn die recyclingfähigen Bauteile sollen sich möglichst einfach für die Wiederverwertung aus dem Fahrzeug ausbauen lassen.
Produkte aus Rezyklat entlasten die Umwelt, da ihre Herstellung –zum Beispiel das Zermahlen von Kunststoff-Stoßstangen aus Altfahrzeugen zu Granulat für die Beimischung zu neuen Stoßstangen– unter bestimmten Voraussetzungen ökologisch günstiger ist als die Herstellung von komplett neuen Produkten und die Beseitigung der alten. In Ökobilanzen (Lebenszyklus-Analysen) untersucht Ford, inwieweit der Ressourcen- und Energieaufwand sowie die damit verbundenen Emissionen beim Einsatz von Rezyklaten geringer sind als bei sogenannter Neuware. (Quelle: ots), (SR 07-08/05, S. 230)


Zukunftspreis Nachhaltigkeit

Als die Initiative Pro Recyclingpapier zusammen mit dem Behörden Spiegel den ersten –von der Bundesstiftung Umwelt geförderten– „Zukunftspreis Nachhaltigkeit“ auslobte, nahmen über 30 Kommunen an dem Wettbewerb teil. Gewinner wurde die Stadt Löhne, gefolgt von den Städten Ravensburg und Rostock.
Löhne hatte die Jury mit der Aktion „Eine Stadt stellt um auf Recyclingpapier – Bausteine für eine politische Leitkultur“ überzeugt. Dieser Ansatz zeigte nach Ansicht der Juroren, „wie eine Erhöhung der Akzeptanz von Recyclingpapier und eine Steigerung des Bewusstseins im Umgang mit Ressourcen erreicht werden kann“.
90 Prozent allen Papiers, das im Jahr 2004 von der Löhner Stadtverwaltung verbraucht wurde, war Recyclingpapier. Außerdem wurde angeregt, auch in Schulen, Kindergärten und dem städtischen Einzelhandel Recyclingpapier zu verwenden.
Besonders beeindruckt war die Jury von dem überregionalen Engagement, mit dem Löhne ein Netzwerk aufgebaut hat, damit andere Städte und Verwaltungen das eigene Projekt aufgreifen und weiterentwickeln. Die „Initiative 2000plus“, angeregt durch die Stadt Löhne in Zusammenarbeit mit insgesamt neun Umwelt- und Verbraucherverbänden, hat das Thema zunächst in zahlreiche Büros und Schulen Nordrhein-Westfalens und von hier aus in weitere neun Bundesländer getragen.


 

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